Call for Articles for the Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook 47 (2022)

“Brecht Post-2020”

The year 2020 has not only seen a global pandemic but also an intensification of major geopolitical issues and transnational problems. COVID-19 caused a world-wide recession; subjected the institutional frameworks and support systems of many countries to a stress test (with regard to public health, social security, education, media, and democratic governance); increased racial, gender, class, and generational inequalities as well as political polarization; accelerated a shift to remote learning, home offices, and live streaming performances; and primarily benefited online entrepreneurs and not the essential workers keeping society afloat. On the one hand, many countries spontaneously reacted to the challenges of COVID-19 by retreating into nationalism instead of coordinating their responses with other countries. On the other hand, exacerbated by the social disparities laid bare by the pandemic, the police execution of George Floyd in Minneapolis triggered the largest international anti-racist protests since the 1960s. COVID-19, in conjunction with other major natural disasters, also reinforced the public perception of a highly fragile ecological environment.

For the Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook 47, we are looking for articles that address how Brecht’s work cannot only help us make sense of these times but also provide ideas for creating a livable, sustainable, and socially just future. What can Brecht’s plays on fascism (The Resistible Rise of Arturo Ui, Fear and Misery of the Third Reich) tell us about the “autocratic attempts” (Masha Gessen) of our time? How can Brecht’s understanding of his own writings and theater productions as almost scientific Versuche (“experiments”) inform our response to the rejection of science, reason, facts, and expertise by an increasing number of people in recent years? How can we resist a surveillance capitalism (Shoshana Zuboff) that allows lies to travel faster than facts? And how can we use Brecht’s “radio theory” of the early 1930s to reconceive the internet as a social commons not owned by a few entrepreneurs who have reduced it to profit-generating clickbait and the exploitation and manipulation of personal data? Live theater with actors and spectators in the same space is usually considered preferable to online performances, but is this also true for Brecht’s “learning plays” (Lehrstücke), given the interactive potential of a platform like Zoom? What will be the future not only of publicly or privately financed, metropolitan or regional theater companies but also of independent theatre projects – during and following the pandemic? Will we see the emergence of “small, agile forms of struggle” (Brecht) in theatre – live, online, or hybrid? What are we to make of the concept of Verfremdung in this new communal and theatrical context that is marked by social distancing and mask-wearing? How does Brecht’s dramatization of a plague-haunted society (Life of Galileo) relate to our current experience with COVID-19? How can we develop a critical and interventionist “art of spectating” (Brecht) to counter the tendency of the Society of the Spectacle (Guy Debord) to perceive the ongoing social and ecological crises as “big drama” rather than a call to action? And finally: How can we engage Brecht’s work in the attempt to create a diverse, inclusive, and anti-racist theater in which BIPOC are equally represented – but what are also major limitations with regard to staging Brecht in this context?

SCHEDULE:

Proposals: June 30, 2021

First Drafts: October 30, 2021

Final Submissions: January 31, 2022

Publication Date: November 2022

SUBMISSION GUIDELINES:

  • Please submit your proposal as an email attachment.
  • Your proposal should be a Word document of no more than 350 words.
  • Your proposal should present original, unpublished work not under consideration for publication elsewhere.
  • If your proposal is accepted, you will be invited to submit a first draft of your article by the deadline indicated above.
  • Your article should follow the “Manuscript Preparation Guidelines” or the “Anleitung zur Gestaltung von deutschsprachigen Manuskripten” for the Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook.

CONTACT:

All proposals, submissions and general inquiries should be sent directly to the managing editor of the Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook, Markus Wessendorf (wessendo@hawaii.edu).

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Aufruf für Beiträge für das Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook 47 (2022)

“Brecht nach 2020”

Das Jahr 2020 zeichnete sich nicht nur durch eine globale Pandemie aus, sondern auch durch die Intensivierung geopolitischer Fragen und transnationaler Probleme. Der Coronavirus hat eine weltweite Rezession ausgelöst; institutionelle Rahmenwerke und Stützungssysteme einem Stresstest unterworfen (im Hinblick auf öffentliche Gesundheit, soziale Absicherung, Bildung, Medien und demokratische Staatsführung); die Ungleichheit zwischen Rassen, Geschlechtern, Klassen und Generationen sowie die politische Polarisierung verstärkt; den Übergang zu Fernunterricht, Home Office und Live-Übertragungen von Theateraufführungen im Internet beschleunigt; und in erster Linie Online-Unternehmer und nicht die für den Erhalt unserer Gesellschaft unentbehrlichen Arbeitskräfte begünstigt. Einerseits haben viele Länder auf die Herausforderungen des Coronavirus spontan mit einem Rückzug in nationalistische Verhaltensweisen reagiert, anstatt mit anderen Ländern eine gemeinsame Reaktion zu koordinieren. Andererseits, und zudem verschärft durch die durch die Pandemie bloßgelegten gesellschaftlichen Missverhältnisse, hat die öffentliche Hinrichtung George Floyds durch die Polizei in Minneapolis die größten internationalen, antirassistischen Proteste seit den 1960er Jahren ausgelöst. Der Coronavirus hat zudem, zusammen mit anderen zeitgleichen Naturkatastrophen, die öffentliche Wahrnehmung einer extrem gefährdeten, ökologischen Umwelt verstärkt.

Für das Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook 47 suchen wir nach Beiträgen, die sich damit befassen, wie Brechts Werke nicht nur Ansätze für ein besseres Verständnis unserer Gegenwart liefern können, sondern auch Anregungen geben für die Schaffung einer lebenswerten, nachhaltigen und sozial gerechten Zukunft. Was können wir von Brechts Stücken über den Faschismus (Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, Furcht und Elend des Dritten Reiches) über “autokratische Vorstöße” (Masha Gessen) in unserer Gegenwart lernen? Wie kann Brechts Verständnis seiner eigenen Schriften und Theaterinszenierungen als fast wissenschaftliche “Versuche” uns dabei helfen, auf die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz einer feindlichen Haltung gegenüber Wissenschaft, Vernunft, faktischer Realität und Sachkompetenz zu reagieren? Wie können wir uns einem Überwachungskapitalismus (Shoshana Zuboff) widersetzen, der es zulässt, dass Lügen sich schneller verbreiten als Fakten? Und wie können wir Brechts Radiotheorie der 1930er Jahre dazu verwenden, um das Internet als soziales Gemeingut neu zu konzipieren, das nicht den wenigen Unternehmern gehört, die es auf gewinnbringenden Klickfang und die Verwertung und Manipulation persönlicher Daten reduziert haben. Live-Theater mit Schauspielern und Zuschauern im selben Raum wird in der Regel Online-Aufführungen vorgezogen, aber muss dies auch für Brechts Lehrstücke gelten, wenn man einmal das interaktive Potential einer Anwendung wie Zoom in Erwägung zieht? Wie sollen wir uns die Zukunft nicht nur von öffentlich oder privat finanzierten, städtischen oder regionalen Theatern, sondern auch von unabhängigen Theaterprojekten vorstellen – während und nach der Pandemie? Werden wir die Entstehung “kleiner, wendiger Kampfformen” (Brecht) sehen – live, online, oder gemischt? Was können wir in diesem neuen gemeinschaftlichen und theatralen Kontext, der sich durch soziale Distanz und das Tragen von Masken auszeichnet, mit dem Konzept der Verfremdung anfangen? Wie lässt sich Brechts Dramatisierung einer von der Pest heimgesuchten Gesellschaft (Leben des Galilei) zu unserer gegenwärtigen Erfahrung mit dem Coronavirus in Beziehung setzen? Wie können wir, im Sinne Brechts, eine kritische und interventionistische Zuschaukunst entwickeln, die der Tendenz der Gesellschaft des Spektakels (Guy Debord) entgegenarbeitet, die gesellschaftlichen und ökologischen Krisen als “großes Drama” anstatt als Aufruf zum Handeln wahrzunehmen? Und schließlich: Wie können wir Brechts Werk bei dem Versuch, ein antirassistisches Theater der Vielfalt und Integration zu schaffen, in dem BIPoC (Black, Indigenous, and People of Color) gleichberechtigt vertreten sind, in Anspruch nehmen – aber was sind zugleich wesentliche Einschränkungen im Hinblick auf Inszenierungen Brechts in diesem Kontext?

Einreichtermine:

Themenvorschläge: 30. Juni, 2021

Erste Entwürfe: 30. Oktober, 2021

Fertige Beiträge: 31. Januar, 2022

Voraussichtliche Veröffentlichung: November 2022

RICHTLINIEN FÜR DIE EINREICHUNG VON BEITRÄGEN:

  • Bitte reichen Sie Ihren Themenvorschlag als Emailanhang ein.
  • Ihr Themenvorschlag sollte ein Word-Dokument von nicht mehr als 350 Wörtern sein.
  • Ihr Themenvorschlag sollte unveröffentlichtes Originalmaterial präsentieren, das Sie nicht bereits an anderer Stelle zur Veröffentlichung eingereicht haben.
  • Wird Ihr Themenvorschlag angenommen, werden Sie gebeten, eine erste Entwurfsfassung Ihres Beitrags zum oben genannten Termin einzureichen.
  • Ihr Beitrag sollte den “Manuscript Preparation Guidelines” oder der “Anleitung zur Gestaltung von deutschsprachigen Manuskripten” für das Brecht-Jahrbuch/Brecht Yearbook folgen.

KONTAKT:

Bitte senden Sie alle Themenvorschläge, Beiträge und generellen Anfragen direkt an den Herausgeber des Brecht-Jahrbuches/Brecht Yearbook, Markus Wessendorf (wessendo@hawaii.edu).

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